der Kometensucher

Kometensucher Semi-Apo-Triplett von BW-Optik
Das Semi Apo-Triplett auf Vixen GP Montierung. Im Hintergrund der Latemar im Abendlicht.

1998 hab ich mir den Refraktor 100/600 Semi-Apo-Triplett (Selbstbau-kit) der Firma BW-Optik zugelegt. Es handelt sich um einen Dreilinser mit Luftspalt. Die Linsen sind MgF2 (Magnesiumfluorid) beschichtet. Refraktoren dieser Bauart werden oft als Kometensucher bezeichnet. Sie haben ein großes Gesichtsfeld und ermöglichen unter Einsatz eines geeigneten Okulars eine große Austrittspupille. Am Beispiel dieses Refrakotrs, bestückt mit einem 32 mm Okular, ergibt sich eine beachtliche Austrittspupille von ca. 5,3 mm. Ist der Semi Apo auch für die Astrofotografie geeignet? Die Antwort kann mit einem „ja“ beantwortet werden, auch wenn das Teleskop natürlich nicht mit einem Apochromaten zu verglichen werden kann.

Erste Eindrücke: Dass die Stärken dieses Systems in der Beobachtung bei  niedrigen Vergrößerungen liegen würde war schon beim Kauf klar. Ein Test der die Grenzen aufzeigen sollte musste aber dennoch durchgeführt werden. Also wagte ich mich an Jupiter heran und Vergrößerte stufenweise nach oben bis auf 300x (4 mm Okular + Barlowlinse 2x). Nun war natürlich die Qualität der Linsen gefragt. Bei einer Brennweite von 600 mm müssen die Linsen sehr genau gefertigt sein, dass Kugelgestaltfehler, Farbfehler , Koma und sonstige Fehler, die in der Optik bekannt sind, das vergrößerte Bild nicht zu sehr beeinträchtigen. Hier meine Erkenntnisse:

Strahlengang Semi-Apo-Triplett
Querschnittzeichnung des Refraktors 100/600 mit Zenitspiegel und Weitwinkelokular

Der Farbfehler fällt bis zu 60-80 nicht sonderlich auf. Rötlich-bläulicher Farbsaum um Jupiter wird ab 100 Vergrößerungen deutlicher sichtbar, ist aber nicht extrem störend. Beim Beobachten mit einem 7.7 mm Okular hat man meiner Meinung nach das sauberste Bild am Planeten oder dem Mond und kann auch die meisten Details auf sehen. Es ist mir  in dieser Kombination gelungen „Bars“ auf Jupiter zu sehen, die auf einem Band deutlich dunkler erschienen. Beim Beobachten mit einem 4 mm Okular (150x) war an diesem Abend nicht mehr an Jupiter zu sehen (in diesem Fall habe ich aus der Stadt bei mäßiger Stadtbeleuchtung beobachtet). Natürlich hängen die Beobachtungen von der Güte des Himmels ab und nicht zuletzt von der Höhe über dem Horizont, des zu beobachtenden Objekts.

Das Semi Apo-Triplett auf Vixen GP Montierung. Im Hintergrund der Latemar im Abendlicht.

Die Cassini-Teilung in den Saturnringen ist bei gutem Seeing und mindestens 200 Vergrößerungen sichtbar geworden. Um auf die 200 Vergrößerungen zu kommen habe ich eine Barlowlinse eingesetzt. Auch bei 300 Vergrößerungen konnte ich die Cassini-Teilung noch sehen. Details auf Jupiter wurden nicht besser erkennbar. Das Gesehene war trotz der hohen Vergrößerung noch einigermaßen brauchbar. Hier noch zwei Fotografien  von Beugungsscheibchen.

Semi-Apo-Triplett auf Vixen-GP
Semi-Apo-Triplett auf Vixen-GP

Fazit: Es ist erstaunlich was man mit einem kleinen Refraktor alles sehen kann (siehe auch Beobachtungsberichte). Wunderschöne Spaziergänge durch die Milchstraße sind im großen Feld (Rich Field) möglich.

Sterntest an Sirius. Das Bild wurde  zunächst mit einer Nikon  D50 aufgenommen, aufgespalten in  die Farbkanäle rot, grün, blau. Das Vierte Scheibchen ist die originale Aufnahme in allen drei Farben.

Semi-Apo ist (5,33 mm Austrittspupille mit einem 32 mm Okular), immer wieder über Nebel, Sternhaufen und Galaxien.  Beste Ergebnisse am Planeten kann man bei 78 bis 150 x erwarten. Bei Galaxien und Nebeln, je nach Ausdehnung der Objekte zwischen 18 x und 78 x.  Mond verträgt auch etwas mehr, 200 x ist für Detail immer noch sehr gut brauchbar.

Vorteilhaft ist auch, dass das Teleskop leicht zu transportieren ist. Das Teleskop, die Okulare, Zenitspiegel, Amiciprisma, und diverse Adaptoren, passen in einen Alu-Koffer 15x33x45. Ein zweiter Koffer beinhaltet die Montierung mit Steuerung und Akku (ohne Stativbeine).

Der 2″ Crayford Okularauszug von Intes ist rau beim Fokusieren sonst gut. Bei zu starkem belasten, z.B. durch anbringen eine Spiegelreflexkamera ist, kippt der Okularauszug leicht nach unten. Die optische Achse ist somit nicht perfekt ausgerichtet, kann aber durch drehen des Auszugs korrigiert werden. Im Jahr 2008 erfolgte eine Verbesserung des Fokusrades. Auf das Fokusrad kam aus Aluminium gedrehtes Rad direkt auf des kleine Fokusrad drauf. Befestigt wird es mit zwei Madenschrauben.

Die Montierung

Semi-Apo-Triplett auf Vixen-GP
Semi-Apo-Triplett auf Vixen-GP

Das Teleskop ist auf einer Vixen GP-E. Die Stabilität beim visuellen Beobachten sehr gut. Auch die Mechanik funktioniert einwandfrei.  Die Motoren arbeiten leise, und sind sehr sparsam. Einziger Nachteil. Das originale Holzstativ ist etwas kurz geraten. Deshalb hab ich mir drei 1,20 m hohe Holzbeine aus Eschenholz anfertigen lassen. Für die visuelle Beobachtung funktioniert diese Variante auf alle Fälle besser, fotografisch sind die kurzen Stativbeine weniger anfällig für Erschütterungen. Polsucher und Teilkreise erleichtern eine bessere Ausrichtung des Gerätes, die man in der Astrofotografie benötigt.

Okulare, Prismen, Filter und Zenitspiegel

Swarovski Optik 7,7 – 23,1 mm Vario, 1 1/4 Zoll

Swarovski Opitk Vario 7,7 - 23,1 mm Brennweite
Swarovski Opitk Vario 7,7 – 23,1 mm Brennweite

Sehr zufrieden bin ich mit dem Okular 1 1/4 Zoll von Swarovski Optik 7,7 – 23,1 mm Vario. Dieses Okular bringt mir am Semi Apo Triplett Vergrößerungen von 26 bis 77,9 x. Sehr gut finde ich auch das relativ große Gesichtsfeld und die scharfe Abbildung. Außerdem ist auch die stabile Mechanik zu loben. Wenn man während dem Beobachten von einer Brennweite zur anderen weiter dreht, dann brauch man das Teleskop nur leicht nachfokusieren. Der Einblick ist angenehm und erlaubt komfortable Beobachtungen bei allen Brennweiten (auch mit Brille bei umgestülpter Gummimuschel).

Meade 32 Super Wide Angle Serie 4000, 2 Zoll

meade32-filteredMit dem 32 mm Weitwinkelokular Super Wide Angle von Meade hat man am Refraktor 100/600 ein großes Gesichtsfeld von etwa 3,5°. Die Austrittspupille beträgt 5,33 mm. Mit dieser Kombination kann man auch die tollsten Beobachtungen machen. Hier kommt man mit der hohen Lichtstärke des kurzbrennweitigen Systems ganz auf die Kosten. Das ist vor allem beim Suchen und Durchmustern von Sternbildern von Vorteil. Nebel und Galaxien sind gut zu erkennen. Andromedanebel, Orionnebel, M 13 Kugelhaufen im Herkules, h un x Persei der Doppelsternhaufen, und eine Reihe von Nebeln sind wunderbare Objekte. Der Farbfehler ist im 32 mm Okular kaum merkbar.

Vixen 25 mm

Das Vixen 25 mm mit 24,5 mm Steckhülse zeichnet sich durch seine Schärfe aus. Mit einem selbst gebastelten Adapter verwende ich es oft für Beobachtungen von größeren Deep-Sky Objekten. Auch für Sonne und Mond geht es hervorragend als Übersichtsokular. Die gesamte Sonne bzw. der gesamte Mond sind im Okular zu sehen.

Vixen 6 mm Okular
Vixen 6 mm Okular

Vixen 6 mm LV mit 20mm Augenabstand 1,25“. Das 6 mm hat einen angenehmen Einblick und liefert eine sehr schöne Abbildung. Mit umgestülpter Augenmuschel, wie auf der Fotografie abgebildet, die ihre Brille beim durchsehen nicht abnehmen wollen.

Konus 4 mm OR

Das orthoskopische hat eine Steckhülse von 24,5mm Steckhülse und wurde auf auf 1,25“ adaptiert. Es liefert eine gute Abbildung an Mond und Planeten. Ungünstig  ist der Einblick, die Linse ist wirklich sehr klein. Man klebt beim Beobachten fast an der Linse.

Zenitspiegel 2 Zoll , No Name, Made in Japan 90°, Sehr gut.

Sky Watcher Amiciprisma 45° 1 1/4 Zoll

Ist am Tag recht brauchbar, am Planeten entstehen komische Schleier weshalb ich auf das geradsichtige Bild gerne verzichte.

Barlow Linse von Meade 2x

barlow_Meade_2xDa das Triplett kurzbrennweitig ist, sind Planetenbeobachtungen bei über 100x ohne Barlow-Linse nur mehr mit Okularbrennweiten um 6mm und kleiner möglich. Die besten Ergebnisse sind in Kombination mit dem Swarovski Okular zu erzielen. Beim Einstellen des Okulars gilt es nicht gleich die höchste Vergrößerung anzustreben, sondern von der kleinsten langsam nach oben hin die Beste herauszufinden. Erfahrungsgemäß ist das nicht immer die höchste Vergrößerung.

Sonnenfilter

Als Sonnenfilter verwende ich eine Folie von Baader-Planetarium, für Beobachtungen im Weißlicht.   Aus der Folie lässt sich leicht ein aufsteckbarer Filter basteln. Die Beobachtungen mit der Folie, zeigt bei guten Beobachtungsbedingungen, jede Menge Details auf der Sonnenoberfläche.  Mehr in der Rubrik Sonne.

Mondfilter

Zum abblenden des grellen Mondlichtes dient ein Mondfilter ist ein Bresser 31,8mm. Durch die unnatürliche Farbe die der Mond erhält, nehme ich das grelle Mondlicht gerne in kauf. Bei hohen Vergrößerungen (ab 100x bei 100 mm Öffnung) dämpft der Filter zu stark, weshalb ich ihn kaum verwende.

Lumicon UHC Nebelfilter

uhc_lumicon_1An einem Winterabend im Februar bot sich an einem Wolkenlosen Himmel die Gelegenheit einen Test mit dem Filter durchzuführen. Der Orionnebel stand günstig, um einen Vergleich anzustellen, ob der Filter unter einem mäßig beleuchteten Dorfhimmel eine Verbesserung brachte oder nicht. Verwendetes System war der Kometensucher 100/600, Okular 32 mm Meade der Serie 5000 sowie der Filter Lumicon UHC.

Fazit der Beobachtung: Schon ohne Filter ist der Orionnebel immer wieder ein prächtiges Objekt. Mit dem UHC Nebelfilter wird der Nebel noch heller abgebildet. Der Hintergrund wird merkbar dunkler. Mal sehen was er unter einem pechschwarzen Himmel bietet. Wenn der Nordamerikanebel (NGC 7000) ohne Filter nicht zu sehen ist, dann funktioniert dies mit dem Nebelfilter sehr gut. Der Golf von Mexico tritt deutlich in Erscheinung und auch der Pelikannebel wird sichtbar.

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